Ich verfluche den Tag, als du mir das erste Mal in die Augen sahst. Wir hatten ihn uns so oft ausgemalt, diesen Moment. Tausende Variationen sind wir durchgegangen. Eine schien uns unrealistischer als die andere, alle fühlten sich natürlich an. Wir hatten so eine Scheu. Was würden wir voneinander halten. Vier Monate hatten wir uns kennengelernt. Jeden Tag, jede Nacht, gefühlt uns die ganze Zeit über dieses kleine Telefon auf dem neuesten Stand gehalten, von der Vergangenheit erzählt, von der Zukunft geträumt. Was würde passieren, wenn wir uns sehen? “Du kannst mich ja mal anprobieren. Und dann schauen, ob du mich so schnell wieder ausziehen willst.”, sagte ich. “Wir können nicht verlieren. Wir mögen uns doch.”, erwidertest du. Und dann ist der Tag da. Der Zug fährt ein. Du steigst aus. Keine Ahnung, ob ich jemals so gezittert habe, ob mir mein Herz jemals fast so rausgesprungen wäre. Ich sehe dich nicht sofort. Ich spüre dich schon so lang. In diesem Augenblick kommt alles zusammen, was sich Leben nennt. Ich bin so ausgefüllt, ich platze fast. Und dann stehst du vor mir. Und wir sehen uns zum ersten Mal in die Augen. Und ich ignoriere das Gefühl, dass irgendwas nicht stimmt. Und dann küsst du mich. Und alles und alles verselbstständigt sich und es ist echt und es ist so viel besser noch, als was ich mir vorher ausgemalt hatte. Und dann müssen wir aufhören, weil ich so zittere, das ist mir noch nie passiert. Und dann küsst du mich nochmal. Und nochmal und immer wieder, als wäre es das Normalste auf der Welt. Ab diesem Tag wirst du mir noch oft in die Augen schauen und ich werde jedes Mal merken, dass ich diesen Augen nicht standhalten kann. Und dann ein paar Monate später wirst du mir sagen, dass Verlieben für dich nie eine Option war und ich werde an diesen 1. November denken und an dieses mulmige Gefühl im Bauch, diesen stechenden Schmerz ganz nah am Herz, den ich an diesem Tag gespürt habe, als du mir zum ersten Mal in die Augen sahst.