Kurt Cobain und ich auf Instagram

In wenigen Wochen werde ich 30. Und habe schon so einiges gemacht, was auf meiner Liste steht: durch Frankreich trampen, barfuß auf der Fullmoonparty tanzen, eine eigene Zeitschrift rausbringen, mitten im Dschungel schlafen, sämtliche Drogen testen, Uschi Obermaier in L.A. besuchen. Ein paar Dinge auf der 20er-Liste sind nichts geworden: mit Work&Travel durch Australien tigern, nach dem Bachelor einen Master machen, an Sommerwochenenden auf Festivals abhängen, heimlich in Tschechien Nase machen und Fett absaugen lassen. Die meisten Aktionen meines letzten Jahrzehnts waren eher ungeplant: im Fundbüro der deutschen Bahn arbeiten, sieben Jahre im Schwabenland abhängen, einmal die Woche zu ner Psychologin gehen, auf ner Pussy-Ping-Pong-Show die Liebe meines Lebens treffen.  Fazit: etwas ist noch offen und bisher unversucht – berühmt zu werden. Und da ich heute noch genauso narzistisch und selbstzerstörerisch wie vor zehn Jahren drauf bin, ist dieser Wunsch genauso groß wie damals. Gebe es da nur nicht ein Problem: alle, die heutzutage bekannt sind, sind scheiße. Sie haben gleich hässliche konturierte Fratzen, gleich aufgespritzte Lippen und gleich hässliches Silikon im Arsch. All das präsentieren sie gleich scheiße auf ihren Instagram-Accounts und ein Fernsehteam lässt sie scheiße vordiktiertes Reality-TV drüber machen. Glattgebügelt inszeniert, immer gut drauf, zum Sterben langweilig – das sind die Berühmtheiten unserer Zeit. Inspirationen fernab vom weichgezeichneten Frühstückssmoothie oder dem Loch-zwischen-den-Beinen-Bikini-Strandbild findet man selten. Selbst etablierte Musiker und Schauspieler müssen mit 45 noch Snapchat-Videos teilen, um am Ball zu bleiben. Und in diesen Clips passiert nichts Spannenderes als das einer ne Fratze zieht oder sich zwei Gesichter tauschen oder einer nen Teddy wird. Ich mein, was muss sich Ozzy Osbourne im Nachhinein geärgert haben, als er 1982 einer Fledermaus den Kopf abbiss, um in die Presse zu kommen. Mein Fazit: In einer Welt, in der playback-singende Promis der neueste Fernsehformatschrei sind, es cooler ist, als Teenager Influencer  werden zu wollen statt an einer Schauspielschule aufgenommen zu werden und in der eine Kim Kardashian berühmter ist, als Amy Winehouse es je geworden wäre, kann ich nicht mitspielen. Vielleicht sehe ich das aber auch alles zu negativ und zu verbissen, aber meine Idole mit 15 waren ja auch Kurt Cobain und Charles Bukowski und nicht Blac Chyna oder Dagi Bee. Aber ich werde ja auch schon 30.