Zusammenwohnen

Ich habe dir damals gesagt, dass wir vorher überlegen müssen, was wir machen, wenn es blöd wird. Dass es gut wird, wenn es gut ist, war doch klar. Gut war es für eine Zeit. Jetzt ist es kacke. Du sagst, ich stelle Bedingungen an unsere Freundschaft, für ein freundliches Wort sei immer Platz. Ich kann nicht freundlich sein, wenn ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause komme und meinen Freund, der viel zu weit weg wohnt und ich noch nicht mal richtig weiß, ob er mein Freund ist, so sehr vermisse. Ich will dann einfach meine Ruhe. Dann schmollst du. Und stänkerst. Aber irgendwann wirst du meinen dreckigen Früchteshakebecher schon noch vermissen. Unsere gemeinsamen Frühstückessions. Das Tanzen in der Küche. Im Bett liegen und Serien gucken und dazu Schokolade essen. Sich gleichzeitig im Bad Gesichtsmasken auftragen und eine pinkelt dabei. Die Abende auf dem Balkon.

Irgendwann hast du angefangen öfter zu betonen, dass du lieber zielorientiert redest, als nur des Redens willens. Irgendwann hab ich begonnen von deinem Fluchen genervt zu sein. Wie schnell einem Züge am anderen stören, wenn irgendetwas nicht mehr stimmt. Es gab Zeiten, da hast du nicht gemerkt, dass ich manche Sachen einfach ganz oft sagen muss, um mit ihnen klarzukommen. Und mir ist zum ersten Mal seit es doof ist bewusst geworden, wie oft du Scheiße und Fotze sagst. Wir haben wohl angefangen uns auf den Sack zu gehen. Und darin ist kein Bali und kein Tino schuld. Ich denke, es ist das Zusammenwohnen. Du sagst, Schwachsinn, es ist die Art und Weise. Ich werde dann mal ausziehen und hoffen, dass es nicht die Freundschaft war.

Nachtrag: Es war die Freundschaft.

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